Ob Matsch, Sand, Schotter oder Geröll – beim Offroad-Fahren entscheidet nicht allein die Technik deines Geländewagens, sondern auch dein Fahrverhalten über Erfolg oder Frust. In diesem Artikel teile ich meine langjährige Erfahrung aus unzähligen Touren, Trainings und Reiseabenteuern. Du bekommst fundierte Fahrtechnik-Tipps für verschiedene Untergründe, damit du dein Fahrzeug sicher und souverän durch jedes Terrain bewegst.
Steinige Passagen & Geröllfelder: Langsam, gezielt, mit Linie
Felsige und steinige Abschnitte erfordern Fingerspitzengefühl. Hier sprechen Profis vom "Rock Crawling" – ein kontrolliertes, langsames Überwinden von Hindernissen. Wichtig ist, die Linie vorab zu planen: Steig aus, schau dir die Passage an und vermeide Schieflagen. Deine Bodenfreiheit und Verschränkung entscheiden darüber, ob du aufsitzt oder nicht. Nutze Untersetzung, bleib im Standgas und vermeide Gasstöße, um Traktion und Material zu schonen. Besonders bei klassischen Fahrzeugen ohne elektronisches Assistenzsystem ist hier Konzentration gefragt. Ein falscher Tritt aufs Gas kann schnell zum Verlust des Grips oder gar zur Reifenbeschädigung führen.
Schotterpisten & Waldwege: Geschwindigkeit mit Bedacht
Gerade für VW Bus-Fahrer, die mit Allrad unterwegs sind, wirken fein geschotterte Wege oft harmlos. Doch der lose Untergrund birgt Tücken. Wer zu schnell fährt, verliert schnell die Kontrolle, vor allem ohne ABS oder moderne Fahrhilfen. Bei Kurven gilt: größere Radien fahren, nicht hart bremsen und den Luftdruck vorher leicht absenken, um die Aufstandsfläche zu vergrößern. Gerade auf Touren in Slowenien oder Osteuropa, wo viele dieser Pisten auch reguläre Verkehrswege sind, kommt einem mitunter Gegenverkehr entgegen – ein zu hohes Tempo kann da schnell gefährlich werden.
Sand & Dünen: Luft ablassen, Schwung mitnehmen
Fahren im Sand ist eine Kunst für sich. Ob am Strand, wie am Plage Blanche in Marokko, oder in den großen Dünenfeldern: Hier gilt es, den Luftdruck stark zu reduzieren (meist auf 0,8 bis 1,3 bar) und mit gleichmäßigem Gas und Schwung zu fahren.

Besonders die windabgewandte Seite von Dünen ist tückisch: Dort ist der Sand lose, tief und weich. Wer hier zu langsam wird, bleibt hängen. Das bedeutet: Linie vorausschauend wählen, nie unvorbereitet drüberfahren und immer im Hinterkopf behalten, dass die Ebbe-Zeiten an Stränden wie am Atlantik über Leben und Tod eines Fahrzeugs entscheiden können. Wer sich hier festfährt, muss schnell reagieren können.

Matsch & Schlamm: Wheelspin erlaubt, Traktion entscheidet
In schlammigen Passagen ist Dynamik gefragt. Wer zu zögerlich fährt, versinkt. Wichtig: Untersetzung einlegen, Traktionskontrolle ausschalten und beherzt mit gleichmäßigem Gas fahren. Die Reifen reinigen sich durch ihre eigene Rotation, solange man in Bewegung bleibt.
Ein Allrad-VW-Bus mit AT- oder MT-Reifen ist hier klar im Vorteil. Vor tiefen Passagen ist Prüfen Pflicht: Mit Stock oder Stiefel testen, wie tief es ist und was darunter liegt. Dann im zweiten Gang (bei Schaltgetriebe) mit Schmackes durch. Oft hilft es, leicht am Lenkrad zu spielen, um neuen Grip zu finden.
Wasser & Furten: Die Königsdisziplin
Wasserdurchfahrten, oft auch als "Fording" bezeichnet, verlangen Respekt. Ab 60–70 cm Tiefe wird es kritisch für Fahrzeuge ohne Schnorchel. Vor jeder Durchfahrt: zu Fuß durchlaufen, Strömung prüfen, Ein- und Ausfahrt checken. Bei Strömung niemals quer einfahren, sondern gegen die Strömung halten. Der alte Offroad-Lehrsatz gilt: Wenn du nicht gefahrlos durchlaufen kannst, solltest du auch nicht durchfahren. Und: Bewegung zählt. Wer stecken bleibt, riskiert geflutete Differentiale, Getriebe oder Tanks – teure Reparaturen inklusive.

Bergematerial: Ohne Vorbereitung kein Vorankommen
Gerade bei Geländewagentouren mit dem VW Bus oder anderen Reisefahrzeugen ist gute Recovery-Ausrüstung entscheidend. Sandbleche helfen bei leichtem Einsinken, Hi-Lift Jacks ermöglichen das Anheben für Unterlagen. Umlenkrollen und Seilverlängerungen verändern die Zugrichtung bei der Windenbergung und steigern die Kraft. Traktionsmatten und Schneeketten bringen Grip bei Eis oder Morast. Und Sicherheitsausrüstung wie Dämpfer und Schutzdecken verhindern Verletzungen im Ernstfall. Ein Kinetikseil ist übrigens oft die beste Wahl, wenn du ein anderes Fahrzeug schnell und effizient aus Sand oder Matsch ziehen musst.
Fazit: Erfahrung zählt, Technik unterstützt
Allradfahren ist mehr als nur 4x4. Es ist ein Zusammenspiel aus Technik, Menschenverstand und Erfahrung. Wer sich vorbereitet, die Grenzen seines Fahrzeugs kennt und mit System fährt, kommt (fast) immer durch. Und wer stuck ist, weiß: Es gibt für fast jede Situation eine Lösung – man muss nur ruhig bleiben und wissen, was zu tun ist.
Wenn du dein Fahrkönnen unter Anleitung verbessern willst, schau gerne bei unseren Offroad-Trainings vorbei. Und bis dahin: Allzeit gute Fahrt und genug Platz unterm Differential!
– Dein Alan von Overland Experience





