Manche der wertvollsten Erfahrungen beim Offroad-Fahren entstehen nicht in den Momenten, in denen alles perfekt läuft. Sie entstehen dort, wo eine Situation anders ausgeht als geplant, der Untergrund plötzlich nachgibt oder das Fahrzeug nicht so reagiert, wie man es erwartet hat.
Genau deshalb schaue ich mir nach unseren Touren bestimmte Fahrsituationen noch einmal ganz bewusst an. Mittlerweile laufen an anspruchsvollen Passagen häufig mehrere Kameras und Smartphones mit. Dadurch können wir später ziemlich genau nachvollziehen, was gut funktioniert hat, an welcher Stelle eine Entscheidung falsch war und wie eine Bergung vielleicht noch sicherer hätte ablaufen können.
Dabei geht es nicht darum, einzelne Fahrer vorzuführen. Im Gegenteil: Auch nach vielen Jahren im Gelände verschätzt man sich, wählt eine ungünstige Linie oder reagiert nicht vollkommen optimal. Entscheidend ist, ehrlich damit umzugehen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.
Auf einer unserer letzten Touren gab es drei Situationen, die besonders lehrreich waren:
Eine falsch eingeschätzte Wasserdurchfahrt, bei der mein Fahrzeug innerhalb kürzester Zeit geborgen werden musste. Eine Passage, in der das Fahrzeug seitlich in eine potenziell kippgefährdete Lage geriet. Und eine steile, feuchte Abfahrt, an der sehr gut zu erkennen war, welchen Unterschied Motorbremse und Betriebsbremse machen können.
Drei unterschiedliche Situationen – aber eine gemeinsame Erkenntnis: Gute Offroad-Fahrtechnik besteht nicht nur aus Lenken, Gasgeben und Bremsen. Vorbereitung, Teamarbeit, Fahrzeugverständnis und ruhige Entscheidungen sind mindestens genauso wichtig.
Wasserdurchfahrten gehören für viele zum Inbegriff eines echten Offroad-Abenteuers. Ein breites Flussbett, klares Wasser, ein Geländewagen und eine scheinbar gut erkennbare Linie – das wirkt auf den ersten Blick oft kontrollierbarer, als es tatsächlich ist.
Auf unserer Tour waren wir erneut in einem weitläufigen Kiesflussbett unterwegs. Die Durchfahrt wurde vorher geprüft und die geplante Linie zu Fuß abgelaufen. Trotzdem hatte ich den Untergrund an einer Stelle falsch eingeschätzt.
Die linke Fahrzeugseite sackte plötzlich deutlich tiefer ein als erwartet. Innerhalb weniger Sekunden stand das Fahrzeug schräg im Wasser und der Wasserstand im Innenraum begann zu steigen. Aus einer geplanten Durchfahrt wurde damit eine Bergesituation, bei der jede zusätzliche Minute das Schadensrisiko erhöht hätte.
Das Entscheidende war in diesem Moment nicht meine Fahrtechnik. Entscheidend war, was wir vorher vorbereitet hatten.
Das Bergeseil war bereits am Fahrzeug befestigt und musste nicht erst unter Wasser an einem schwer zugänglichen Anschlagpunkt montiert werden. Das Bergefahrzeug stand bereit, die Gruppe reagierte schnell und nach ungefähr einer Minute war mein Fahrzeug wieder aus dem tieferen Wasser heraus.
Die Bergung erfolgte mit einem Kinetikseil und das Bergefahrzeug zog rückwärts. Das ist technisch nicht die bevorzugte Variante. Beim Rückwärtsziehen sind Sicht, Kraftübertragung und Kontrolle häufig schlechter als bei einer Bergung in Vorwärtsrichtung. In dieser konkreten Situation hätte das Wenden des Bergefahrzeugs jedoch zusätzliche Zeit gekostet. Angesichts des schnell steigenden Wassers war die zügige Bergung wichtiger als ein perfekter Aufbau.
Das Fahrzeug kam insgesamt vergleichsweise glimpflich davon. Einige Gegenstände wurden nass, ein Solarladeregler gab seinen Dienst auf, eine Leuchte musste getrocknet werden und auch ein Scheinwerfer hatte Wasser gezogen. Größere Schäden an Motor oder Fahrzeugtechnik blieben zum Glück aus.
Das war kein Beweis dafür, dass die Durchfahrt ungefährlich war. Es war ein Beweis dafür, wie viel eine gute Vorbereitung ausmachen kann, nachdem bereits etwas schiefgegangen ist.
Mehr Grundlagen zur Beurteilung von Tiefe, Strömung, Einfahrt und Untergrund findest du auch in unserem ausführlichen Artikel über Wasserdurchfahrten mit dem Geländewagen.
Eine Wasserdurchfahrt vorher zu Fuß zu prüfen, ist grundsätzlich sinnvoll. Du kannst dabei die Wassertiefe, die Strömung, größere Steine, weiche Bereiche sowie die Ein- und Ausfahrt besser einschätzen.
Trotzdem bleibt eine solche Prüfung immer nur eine Momentaufnahme.
Ein schwerer Geländewagen belastet den Untergrund vollkommen anders als eine einzelne Person. Eine Kiesschicht, die sich beim Durchlaufen fest anfühlt, kann unter dem Gewicht eines Fahrzeugs nachgeben. Unterspülungen oder tiefe Löcher sind durch trübes Wasser kaum zu erkennen. Hinzu kommt, dass sich ein Flussbett laufend verändert.
Das bedeutet nicht, dass du auf die Prüfung verzichten solltest. Es bedeutet, dass du trotz Prüfung einen Plan für den Fall brauchst, dass deine Einschätzung falsch war.
Bei starker Strömung, unbekannter Tiefe oder unsicherem Untergrund sollte die Durchfahrt nicht zu Fuß betreten werden. Auch das Durchlaufen selbst kann gefährlicher sein als das spätere Fahren. Im Zweifel ist Umkehren keine Niederlage, sondern die vernünftigste Entscheidung.
Gerade beim Overlanding gilt: Das Ziel ist nicht, jedes Hindernis irgendwie zu bezwingen. Das Ziel ist, mit einem funktionsfähigen Fahrzeug und einer gesunden Crew wieder nach Hause zu kommen.
Eine gute Einweisung vor der Wasserdurchfahrt sollte nicht erst dann stattfinden, wenn das erste Fahrzeug bereits im Wasser steht. Die Gruppe muss vorher wissen, welche Linie gefahren wird, welches Fahrzeug im Notfall birgt und wie miteinander kommuniziert wird.
Die folgende Checkliste basiert auf unseren Erfahrungen im Gelände und insbesondere auf den Punkten, die bei unserer eigenen Bergung entscheidend waren.
Nach einer längeren Anfahrt, einer schnellen Pistenetappe oder einer technisch anspruchsvollen Passage können Motor, Getriebe, Differentiale und Achsen sehr heiß sein.
Bevor du in kaltes Wasser einfährst, solltest du das Fahrzeug deshalb abstellen und die Komponenten etwas abkühlen lassen. Durch die schnelle Abkühlung kann Material thermisch belastet werden. Gleichzeitig zieht sich die erwärmte Luft in Achsen und Getrieben beim Abkühlen zusammen. Sind Entlüftungen oder Dichtungen nicht optimal, kann dadurch Wasser in Bauteile gelangen.
Mit verlängerten Differential- und Getriebeentlüftungen lässt sich dieses Risiko reduzieren. Sie ersetzen aber weder eine vernünftige Vorbereitung noch die spätere Kontrolle der Betriebsflüssigkeiten.
Wichtig ist die Unterscheidung: Der Motor wird vor der Durchfahrt zum Abkühlen abgestellt. Während der eigentlichen Wasserdurchfahrt läuft er selbstverständlich.
Vor der Einfahrt sollte die Klimaanlage ausgeschaltet werden. Dadurch reduzierst du bei vielen Fahrzeugen die Wahrscheinlichkeit, dass elektrische Zusatz- oder Kondensatorlüfter während der Durchfahrt mit hoher Drehzahl laufen.
Taucht ein schnell drehender Lüfter ins Wasser ein, wird er schlagartig abgebremst. Abhängig von Fahrzeug und Bauart können Lüfter, Motoren, Sicherungen oder umliegende Bauteile beschädigt werden.
Moderne Fahrzeuge besitzen teilweise einen eigenen Wading- oder Fording-Modus. Dieser kann unter anderem Klimaanlage, Lüftersteuerung, Getriebe, Fahrwerk oder Gaspedalkennlinie an die Wasserdurchfahrt anpassen. Trotzdem solltest du wissen, was der gewählte Fahrmodus tatsächlich verändert. Ein Symbol im Display ersetzt nicht das Fahrzeugverständnis.
Untersetzung, Mitteldifferenzialsperre und ein geeigneter Fahrmodus werden vor der Einfahrt gewählt – nicht mitten im Wasser.
Du brauchst eine Übersetzung, mit der du das Fahrzeug gleichmäßig und ohne hektische Gasstöße bewegen kannst. Gleichzeitig sollte ausreichend Drehmoment vorhanden sein, damit das Fahrzeug nicht bei jeder kleinen Vertiefung an Geschwindigkeit verliert.
Welche Sperren sinnvoll sind, hängt vom Fahrzeug und vom Untergrund ab. Eine gesperrte Mitte sorgt bei permanenten Allradsystemen dafür, dass Vorder- und Hinterachse zuverlässig angetrieben werden. Achssperren können auf sehr ungleichmäßigem oder weichem Untergrund helfen, sollten aber nicht unüberlegt eingesetzt werden, weil sie die Lenkbarkeit beeinflussen können.
Bei modernen Geländewagen solltest du den vom Hersteller vorgesehenen Wasser-, Schlamm- oder Offroad-Modus rechtzeitig aktivieren.
Ein reduzierter Reifendruck kann auf Kies, Sand und weichem Untergrund die Aufstandsfläche vergrößern und die Traktion verbessern. Auf unserer Tour waren wir – abhängig von Fahrzeug, Reifengröße und Beladung – teilweise mit ungefähr einem Bar unterwegs.
Das ist jedoch kein pauschaler Empfehlungswert.
Der passende Luftdruck hängt von Reifenbauart, Fahrzeuggewicht, Felge, Geschwindigkeit und Untergrund ab. Ein zu niedriger Druck erhöht das Risiko, dass sich der Reifen von der Felge löst oder die Seitenwand beschädigt wird. Nach der Geländepassage muss der Reifendruck vor längeren Straßenetappen wieder angepasst werden.
Mehr über die unterschiedlichen Anforderungen auf Kies, Schlamm und anderen Untergründen findest du im Beitrag Allrad fahren im Gelände: Fahrtechnik für Sand, Schotter und Schlamm.
Ein Bergeequipment, das unter Kisten, Taschen und Campingausrüstung liegt, hilft dir in einer akuten Situation kaum.
Schäkel, Softschäkel, Bergegurte, Handschuhe und gegebenenfalls eine Windenverlängerung gehören an eine schnell erreichbare Stelle. Vor einer anspruchsvollen Durchfahrt kann es sinnvoll sein, einen geeigneten Bergegurt oder eine Verlängerung bereits an einem freigegebenen Bergepunkt des Fahrzeugs anzuschlagen.
Das freie Ende muss so befestigt sein, dass es während der Fahrt nicht ins Wasser fällt, sich nicht um ein Rad wickelt und nicht am Untergrund hängen bleibt. Gleichzeitig muss eine zweite Person es schnell erreichen können.
Genau diese Vorbereitung hat bei unserer Bergung den entscheidenden Zeitvorteil gebracht. Bei dem damaligen Wasserstand hätte niemand mehr sicher unter dem Fahrzeug nach einem Anschlagpunkt suchen können.
Verwende dafür ausschließlich ausreichend dimensionierte und für die Bergung geeignete Anschlagpunkte. Transportösen und serienmäßige Abschleppösen sind nicht automatisch für dynamische Bergungen ausgelegt.
Ist eine Winde vorhanden, sollte sie nicht erst vorbereitet werden, wenn das Fahrzeug bereits feststeckt.
Das Windencover wird abgenommen, die Bedienung geprüft und die Fernbedienung griffbereit positioniert. Je nach Situation kann auch ein kurzes Abspulen sinnvoll sein. Das Seil darf dabei nicht lose am Fahrzeug hängen oder unkontrolliert mitgeführt werden.
Vor der Durchfahrt sollte außerdem feststehen, wo sich geeignete Anschlagpunkte befinden. Ein Baumgurt, eine Umlenkrolle oder ein Windenverlängerungsseil nutzen wenig, wenn niemand weiß, wo sie liegen oder wie sie eingesetzt werden.
Textilien, Elektronik, Powerbanks, Batteriestationen, Kameras, Papier und auch die Toilettenpapierrolle haben im unteren Fußraum nichts verloren, wenn eine tiefere Wasserdurchfahrt bevorsteht.
Wasser tritt häufig zuerst über Türdichtungen, Bodenöffnungen oder tief liegende Karosseriebereiche ein. Alles, was nicht nass werden darf, gehört deshalb nach oben und sollte zusätzlich wasserdicht verpackt werden.
Das gilt besonders für Komponenten, die dauerhaft im Fahrzeug verbaut wurden. Laderegler, Sicherungen, Wechselrichter und Steckverbindungen sollten möglichst hoch und geschützt montiert sein. Ein Ausbau, der auf trockenen Campingplätzen hervorragend funktioniert, kann sich bei Wasser im Innenraum schnell als problematisch erweisen.
Scheinwerfer sollten vor der Einfahrt ausgeschaltet werden. Besonders Halogenleuchtmittel entwickeln eine hohe Temperatur. Kaltes Wasser kann Scheinwerfergehäuse und Dichtungen stark abkühlen und damit das Eindringen von Feuchtigkeit begünstigen.
Vollständig verhindern lässt sich ein Wassereintritt dadurch nicht. Bei meinem Fahrzeug zog trotz Vorbereitung Wasser in einen Scheinwerfer. Nach dem Ausbau, Öffnen und Trocknen funktionierte er wieder.
Nach einer tieferen Durchfahrt solltest du Leuchten und elektrische Komponenten deshalb kontrollieren, auch wenn zunächst keine Fehlermeldung erscheint.
Kennzeichen werden bei Wasserdurchfahrten überraschend häufig verloren. Strömung und Wasserwiderstand wirken direkt auf das Schild und seinen Halter.
Vor der Einfahrt solltest du deshalb prüfen, ob Kennzeichen, Halter, Abdeckungen und andere tief montierte Anbauteile fest sitzen. Gleiches gilt für lose Gurte, Kabel, Schmutzfänger oder Abdeckungen im Bereich der Stoßfänger.
Bei einer langsamen, kontrollierten Wasserdurchfahrt auf privatem oder abgesperrtem Gelände kann im Briefing festgelegt werden, die Fenster zu öffnen. Dadurch bleibt bei einem elektrischen Ausfall ein direkter Fluchtweg erhalten.
Auch das Lösen des Sicherheitsgurtes unmittelbar vor der Einfahrt wird in bestimmten, kontrollierten Situationen praktiziert, damit Fahrer und Beifahrer das Fahrzeug im Notfall schneller verlassen können. Das ist jedoch keine allgemeine Empfehlung für den Straßenverkehr und keine pauschale Regel für jede Wasserdurchfahrt.
Ob Fenster und Gurt entsprechend vorbereitet werden, hängt von Geschwindigkeit, Umgebung, Fahrzeug, Strecke und Einweisung ab. Auf öffentlichen Straßen und bei normalem Fahrbetrieb bleibt der Sicherheitsgurt selbstverständlich angelegt.
Entscheidend ist, dass alle Insassen vor der Durchfahrt wissen, wie sie das Fahrzeug im Ernstfall verlassen und welche Seite dafür geeignet ist.
Bei einer Gruppendurchfahrt befindet sich immer nur ein Fahrzeug in der kritischen Passage.
Fahre erst los, wenn das Fahrzeug vor dir das Wasser vollständig verlassen hat und die Ausfahrt frei ist. Dadurch bleibt auf beiden Seiten Platz für Helfer und Bergefahrzeuge. Gleichzeitig kannst du beobachten, wie sich der Vordermann verhält.
Hat er an einer Stelle deutlich zu kämpfen? Sinkt das Fahrzeug plötzlich ein? Drehen die Räder durch? Verändert sich die Wassertiefe? All diese Beobachtungen helfen dir bei deiner eigenen Entscheidung.
Der Abstand muss außerdem groß genug sein, damit du nicht mitten im Wasser anhalten musst, weil das Fahrzeug vor dir die Ausfahrt blockiert.
Wenn das vorausfahrende Fahrzeug auf einer Linie sicher durchgekommen ist, solltest du nicht spontan weiter links oder rechts fahren, nur weil eine andere Stelle optisch einfacher wirkt.
Schon ein halber Meter kann im Flussbett einen großen Unterschied machen. Neben einer tragfähigen Kiesspur kann sich ein ausgewaschenes Loch oder ein Bereich mit deutlich weicherem Material befinden.
Genau hier lag mein Fehler: Der Untergrund wirkte auf der gewählten Seite stabiler, als er tatsächlich war.
Natürlich kann sich auch eine bereits gefahrene Spur verändern. Mehrere schwere Fahrzeuge können Kies verschieben oder weiche Stellen weiter ausfahren. Die Linie des Vordermanns ist deshalb keine Garantie – aber sie liefert eine wichtige Orientierung.
Der passende Gang wird vor der Einfahrt gewählt und während der Durchfahrt möglichst beibehalten.
Ein Schaltvorgang kann den Kraftfluss unterbrechen. Das Fahrzeug verliert Geschwindigkeit, die Bugwelle bricht zusammen und im ungünstigsten Moment fehlt das Drehmoment. Bei Handschaltern kommt zusätzlich das Risiko hinzu, dass das Fahrzeug beim Kuppeln stehen bleibt.
Auch bei Automatikfahrzeugen sollte vor der Einfahrt ein geeigneter Gang oder manueller Fahrbereich gewählt werden. Ziel ist eine gleichmäßige Bewegung ohne unnötige Lastwechsel.
Wenn das Fahrzeug einsinkt oder die Traktion verliert, verleitet der erste Reflex häufig zu stärkerem Gasgeben und hektischen Lenkbewegungen.
Damit gräbst du die Räder unter Umständen nur tiefer ein oder verlässt die geprüfte Linie. Kleine, kontrollierte Lenkkorrekturen können helfen, wieder Traktion zu finden. Wildes Links-rechts-Lenken verschlechtert die Situation dagegen häufig.
Ist erkennbar, dass das Fahrzeug nicht mehr aus eigener Kraft weiterkommt, sollte die Bergung beginnen, bevor das Wasser weiter steigt.
Solange der Motor normal läuft, die Luftansaugung sicher oberhalb des Wassers liegt und keine unmittelbare Gefahr besteht, sollte er nicht reflexartig ausgeschaltet werden. Die Situation muss ruhig, aber schnell bewertet werden.
Steigt das Wasser über die Schweller, erreicht es Leuchten oder dringt sichtbar in den Innenraum ein, sollte die vorbereitete Bergung ohne unnötige Verzögerung beginnen.
Geht der Motor während der Durchfahrt von selbst aus, solltest du ihn nicht einfach erneut starten. Es muss zuerst ausgeschlossen werden, dass Wasser in die Ansaugung oder den Motor gelangt ist. Ein Startversuch kann in diesem Fall deutlich größere Schäden verursachen.
Der Unterschied zwischen kontrollierter Eile und Hektik ist dabei entscheidend. Die Gruppe muss wissen, wer das Bergefahrzeug fährt, wer das Seil verbindet, wer einweist und wer sich aus dem Gefahrenbereich heraushält.
Die zweite Situation entstand an einem weichen, seitlich abfallenden Hang. Die Passage sah zunächst fahrbar aus. Der Rand war etwas bewachsen, die Neigung wirkte aus der Fahrerperspektive noch vertretbar und ich ging davon aus, dass der Untergrund das Fahrzeug tragen würde.
Das tat er nicht.
Die hangabgewandte Seite gab nach und das Fahrzeug geriet schnell in eine deutliche Schräglage. Ob es tatsächlich unmittelbar gekippt wäre, lässt sich im Nachhinein schwer beurteilen. Es war wahrscheinlich noch eine gewisse Reserve vorhanden. Das eigentliche Problem bestand aber darin, dass niemand wusste, wie sich der weiche Untergrund beim Rückwärtsfahren verhalten würde.
Ein kleiner Lenkfehler, ein durchdrehendes Rad oder ein weiter nachgebender Hang hätten die Schräglage verstärken können.
Der wichtigste Schritt war deshalb: nicht einfach weiterfahren.
Wenn ein Fahrzeug seitlich kippgefährdet steht, darf die erste Reaktion nicht aus hektischem Rangieren bestehen. Jede Bewegung verändert die Radlasten. Der Untergrund kann weiter wegbrechen und aus einer unangenehmen Lage wird innerhalb eines Augenblicks ein Überschlag.
Unsere Gruppe stabilisierte das Fahrzeug zunächst provisorisch. Anschließend bauten wir eine mechanische Sicherung auf, die das Fahrzeug seitlich hielt. Dabei musste die Sicherung ungefähr im rechten Winkel zur eigentlichen Fahrtrichtung wirken. Ein Zug nach vorne oder hinten hätte die seitliche Kippbewegung kaum verhindert.
Über einen Baumgurt, eine Umlenkung und eine Verlängerung wurde kontrolliert Spannung auf das Sicherungsseil gebracht. Dadurch ließ sich das Fahrzeug zunächst stabilisieren und etwas aufrichten. Erst danach fuhr ich langsam in der Untersetzung rückwärts aus der Passage.
Die Reihenfolge war entscheidend:
Stoppen, sichern, stabilisieren und erst dann kontrolliert bewegen.
In der ersten Reaktion hatten sich mehrere Personen mit ihrem Körpergewicht an die höher liegende Fahrzeugseite gehängt. Das kann kurzfristig stabilisierend wirken, ist aber keine saubere oder sichere Dauerlösung.
Sobald eine mechanische Sicherung aufgebaut wird, müssen sich alle Personen aus der möglichen Fallrichtung, der Zugrichtung und dem Bereich gespannter Seile entfernen. Kippt das Fahrzeug oder versagt ein Anschlagpunkt, dürfen sich dort keine Helfer befinden.
Auch die verwendeten Anschlagpunkte verdienen besondere Aufmerksamkeit. In unserem konkreten Fall wurden zwei Beschläge am Dachträgersystem zur seitlichen Stabilisierung genutzt. Sie sollten keine eigentliche Fahrzeugbergung übernehmen, sondern nur eine begrenzte Sicherungslast aufnehmen.
Das ist keine allgemeine Empfehlung.
Dachträger, Airlineschienen und Transportbeschläge sind normalerweise nicht als vollwertige Bergepunkte ausgelegt. Wer eine seitliche Fahrzeugsicherung plant, braucht belastbare, für die jeweilige Richtung geeignete Anschlagpunkte. Ist das nicht vorhanden, müssen Belastung und Risiko besonders vorsichtig beurteilt werden.
Ein ungeeigneter Anschlagpunkt kann ausreißen und selbst zur Gefahr werden.
Bei einer normalen Bergung wird häufig in die gewünschte Fahrtrichtung gezogen. Bei einem kippgefährdeten Fahrzeug ist das nicht immer die wichtigste Aufgabe.
Zuerst muss die Bewegung verhindert werden, die die größte Gefahr darstellt.
Droht das Fahrzeug seitlich abzukippen, muss die Sicherung möglichst entgegen dieser Bewegung wirken. Erst wenn das Fahrzeug stabil steht, kann ein zweites System für die eigentliche Bergung aufgebaut oder das Fahrzeug kontrolliert bewegt werden.
Dabei wird die Sicherung nicht ruckartig gespannt. Die Last sollte langsam und kontrolliert aufgebaut werden. Dynamische Bergegurte oder Kinetikseile sind für eine reine Sicherung in der Regel ungeeignet, weil ihre Dehnung zusätzliche Bewegung in das System bringt. Für eine statische Stabilisierung sind entsprechend geeignete Gurte, Seile oder Windensysteme sinnvoller.
Noch wichtiger als das Material ist jedoch der Plan. Eine Person sollte die Bergung koordinieren. Werden gleichzeitig unterschiedliche Kommandos gerufen oder mehrere Systeme unkontrolliert gespannt, steigt das Risiko.
Weitere Grundlagen zur Vermeidung kritischer Schräglagen und Überschläge findest du im Artikel Rollover = Game Over: Steile Offroad-Passagen sicher meistern.
Die dritte Situation spielte sich an einer steilen, feuchten Abfahrt ab. Die Strecke führte in einer engen Kurve um einen Baum herum. Aufgrund des Wendekreises musste das Fahrzeug zunächst relativ lange geradeaus beziehungsweise leicht gegen die gewünschte Kurvenrichtung bewegt werden.
Aus dem Fahrersitz fühlt sich das unangenehm an. Das Fahrzeug gerät in eine Schräglage, die Falllinie zieht es nach unten und der Kopf sagt: Bremsen.
Genau dieser Reflex kann auf rutschigem Untergrund zum Problem werden.
Ich fuhr die Passage im ersten Gang der Untersetzung und ließ das Fahrzeug größtenteils über die Motorbremse arbeiten. Die Räder drehten sich weiter und behielten dadurch eine gewisse Seitenführung. Das Fahrzeug bewegte sich zwar langsam in Richtung Falllinie, blieb aber weitgehend lenkbar.
Bei einem nachfolgenden Fahrzeug war zu sehen, wie stärkeres Bremsen zu deutlich mehr blockierenden beziehungsweise rutschenden Rädern führte. Das Fahrzeug verlor Seitenführung und rutschte stärker bergab.
Dabei wäre es unfair, den Unterschied nur der Fahrtechnik zuzuschreiben. Die Reifen waren unterschiedlich, die Strecke war durch die vorausfahrenden Fahrzeuge bereits verändert und aufgewühlt worden. Trotzdem zeigte die Situation sehr anschaulich, warum rollende Räder im Gelände häufig besser lenkbar sind als blockierende.
Motorbremse funktioniert nicht dadurch, dass du mitten im Hang spontan einen kleineren Gang einlegst.
Die Vorbereitung findet vor der Abfahrt statt. Du hältst an einer sicheren Stelle, beurteilst den Verlauf und wählst Untersetzung sowie Gang so, dass das Fahrzeug ohne starkes Bremsen langsam hinunterrollen kann.
Während der steilen Passage solltest du nicht auskuppeln und möglichst nicht schalten. Bei einem Handschalter würde das Treten der Kupplung die Motorbremswirkung sofort unterbrechen. Das Fahrzeug könnte schlagartig schneller werden.
Bei Automatikfahrzeugen sollte ein fester Fahrbereich oder die manuelle Gangwahl genutzt werden, sofern das Fahrzeug dies vorsieht. Moderne Bergabfahrassistenten können ebenfalls helfen, indem sie einzelne Räder kontrolliert abbremsen. Ihre Funktionsweise unterscheidet sich jedoch je nach Hersteller und Fahrzeug.
Du solltest deshalb vor einer anspruchsvollen Abfahrt wissen, wie dein System arbeitet – und es idealerweise vorher in einem kontrollierten Gelände ausprobiert haben.
Ein rollender Reifen kann gleichzeitig Längs- und Seitenkräfte übertragen. Er bremst das Fahrzeug und folgt zumindest teilweise dem Lenkeinschlag.
Blockiert das Rad, gleitet es über den Untergrund. Auf Schlamm, nassem Gras oder losem Schotter verliert es dabei einen großen Teil seiner Seitenführung. Das Lenkrad kann eingeschlagen sein, ohne dass das Fahrzeug der gewünschten Richtung folgt.
Das bedeutet nicht, dass du bei jeder Offroad-Abfahrt grundsätzlich niemals bremsen darfst. Der Einsatz der Betriebsbremse hängt von Fahrzeug, Untergrund, Gefälle, Assistenzsystemen und Situation ab.
Entscheidend ist die Dosierung.
Starkes, panisches Bremsen ist auf rutschigem Untergrund häufig schlechter als eine von Anfang an richtig gewählte Übersetzung. Muss zusätzlich gebremst werden, sollte das feinfühlig und möglichst ohne dauerhaftes Blockieren geschehen.
Bei Fahrzeugen ohne ABS ist das besonders deutlich. Moderne Offroad-ABS-Systeme oder Bergabfahrhilfen können anders reagieren und bewusst einen gewissen Schlupf zulassen. Auch hier gilt: Technik hilft nur, wenn du weißt, was sie macht.
In der beschriebenen Passage bestand die größte mentale Herausforderung darin, zunächst nicht sofort in die gewünschte Kurve einzulenken. Der Wendekreis hätte dafür nicht ausgereicht. Das Fahrzeug musste erst weiter nach vorne rollen, bevor die Vorderachse um den Baum herumgeführt werden konnte.
Das fühlt sich falsch an, weil du das Fahrzeug für einen Moment stärker in Richtung Gefälle bewegst. Lenkst du jedoch zu früh ein, kann das kurveninnere Hinterrad am Hindernis hängen bleiben oder das Fahrzeug kommt gar nicht um die Kurve.
Solche Passagen müssen vorab zu Fuß angesehen werden. Ein Einweiser kann zusätzlich helfen, weil er Radposition, Abstand und Fahrzeugbewegung von außen besser beurteilen kann.
Der Fahrer konzentriert sich dabei auf wenige, klare Kommandos. Zu viele Helfer, die gleichzeitig unterschiedliche Richtungen zeigen, machen die Situation nicht sicherer.
Alle drei Situationen hatten etwas gemeinsam: Allein wären sie deutlich schwieriger und riskanter gewesen.
Bei der Wasserdurchfahrt stand ein Bergefahrzeug bereit und das Bergematerial war vorbereitet. In der Schräglage konnte die Gruppe das Fahrzeug sichern und einen kontrollierten Aufbau herstellen. An der steilen Abfahrt halfen Beobachtung und Einweisung dabei, die Linie zu verstehen.
Eine gute Offroad-Gruppe entsteht nicht dadurch, dass möglichst viele Fahrzeuge gemeinsam fahren. Sie entsteht durch klare Kommunikation und eine vernünftige Rollenverteilung.
Wer fährt das Bergefahrzeug? Wer bedient die Winde? Wer gibt die Kommandos? Wer beobachtet die Räder? Wer hält andere Personen aus dem Gefahrenbereich?
Diese Fragen sollten geklärt sein, bevor Zug auf einem Seil ist oder das nächste Fahrzeug in eine schwierige Passage fährt.
Genauso wichtig ist eine Atmosphäre, in der ein Fahrer jederzeit stoppen darf. Niemand sollte eine Wasserdurchfahrt oder Steilpassage fahren, nur weil die anderen bereits durchgekommen sind. Fahrzeuge, Reifen, Erfahrung und persönliches Sicherheitsgefühl unterscheiden sich.
Es wäre einfach, die Flussbergung als lustige Geschichte über nasse Füße zu erzählen. Tatsächlich hätte die Situation deutlich teurer und gefährlicher enden können.
Der Untergrund wurde falsch eingeschätzt. Das ist die ehrliche Ausgangslage.
Gleichzeitig funktionierten wesentliche Teile unserer Vorbereitung. Das Bergematerial war angeschlagen, das zweite Fahrzeug war verfügbar und die Gruppe reagierte schnell. Dadurch blieb der Schaden überschaubar.
Auch bei der seitlichen Schräglage war die beste Entscheidung nicht irgendein spektakuläres Fahrmanöver. Die beste Entscheidung war, zunächst nichts zu tun, die Situation zu analysieren und das Fahrzeug mechanisch zu sichern.
Und bei der Abfahrt zeigte sich, dass der intuitive Wunsch nach möglichst viel Bremswirkung nicht automatisch zu mehr Kontrolle führt.
Genau solche Erfahrungen machen Offroad-Fahrtechnik wertvoll. Es geht nicht darum, niemals Fehler zu machen. Es geht darum, Risiken früh zu erkennen, Fehler nicht durch Hektik zu vergrößern und aus jeder Situation etwas für die nächste Tour mitzunehmen.
Eine Wasserdurchfahrt wird nicht erst im Wasser entschieden. Eine sichere Bergung beginnt nicht mit dem Griff zur Windenfernbedienung. Und eine kontrollierte Steilabfahrt beginnt nicht beim ersten Tritt auf die Bremse.
Die entscheidenden Schritte passieren vorher.
Du prüfst das Gelände, bereitest dein Fahrzeug vor, wählst Übersetzung und Fahrmodus, räumst empfindliche Ausrüstung nach oben und legst fest, wie eine Bergung ablaufen soll. Du kennst deine Anschlagpunkte und weißt, wo sich dein Material befindet.
Vor allem akzeptierst du, dass auch eine sorgfältige Planung keine vollständige Sicherheit schafft.
Offroad-Fahren bedeutet immer, Entscheidungen auf Basis unvollständiger Informationen zu treffen. Je besser deine Vorbereitung, desto größer ist die Chance, dass aus einer Fehleinschätzung keine Katastrophe wird.
Viele dieser Abläufe lassen sich lernen, ohne direkt in einem tiefen Flussbett oder an einem instabilen Hang zu stehen. In einem kontrollierten Trainingsgelände kannst du Untersetzung, Sperren, Blickführung, Steilabfahrten, Schräglagen und Bergungsgrundlagen mit erfahrenen Instruktoren ausprobieren.
Unsere Offroad-Trainings richten sich nicht an Fahrer, die einfach nur möglichst spektakulär durch ein Hindernis wollen. Ziel ist, das eigene Fahrzeug zu verstehen und auch in unangenehmen Situationen ruhig und kontrolliert zu handeln.
Für die Reiseplanung kannst du außerdem OVEX Maps nutzen. Dort findest du Community-Spots, GPX-Tracks sowie Hinweise zu Strecken und möglichen Gefahrenstellen. Wasserdurchfahrten und Veränderungen im Gelände sollten trotzdem immer vor Ort neu beurteilt werden. Eine Markierung auf einer Karte ersetzt keine aktuelle Prüfung.
Denn am Ende bleibt die wichtigste Regel beim Overlanding und Offroad-Fahren erstaunlich einfach:
Fahre nicht nur so, dass du durchkommst. Fahre so, dass du auch dann noch einen Plan hast, wenn du nicht durchkommst.
Allzeit gute Fahrt und genug Platz unterm Differential.
Dein Alan von Overland Experience








